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Können Männer ein Lipödem haben?

Category : Allgemein, Lipödem
Date : 20. April 2026

Das Lipödem gilt als eine der wenigen Erkrankungen, die fast ausnahmslos Frauen betrifft. Doch immer wieder stellen sich Betroffene und Angehörige die Frage: Können auch Männer ein Lipödem entwickeln? Die Antwort ist medizinisch eindeutig – und doch nuancierter, als man zunächst vermuten würde.

Können Männer ein Lipödem bekommen?

Ja – aber es ist sehr selten. Nach aktuellem Forschungsstand sind rund 95 % aller Lipödem-Betroffenen weiblich. Nur etwa 5 % der Erkrankten sind Männer. Einzelne, seltene Fallberichte männlicher Lipödem-Patienten existieren, doch das Lipödem bleibt in seiner typischen Ausprägung eine fast ausschließlich weibliche Erkrankung.

Dr. med. Anna-Theresa Lipp: „Ja, diese Krankheit ist weiblich, lediglich 5 % der Betroffenen sind Männer.“ Sie selbst hat in ihrer langjährigen Praxistätigkeit bislang erst zwei männliche Patienten mit Lipödem kennengelernt – beide wiesen zudem eine begleitende Adipositas auf und wurden zunächst in ein Adipositas-Zentrum überwiesen.

Warum trifft das Lipödem so selten Männer?

Die Antwort liegt in der Genetik

Das Lipödem wird vererbt – das ist nach aktuellem Forschungsstand gesichert. Lange Zeit nahm man an, die entsprechende genetische Information befinde sich ausschließlich auf den X-Chromosomen, was die hohe Betroffenheit von Frauen erklären würde. Dieses Bild hat sich jedoch verändert.

Heute geht die Forschung davon aus, dass der Gendefekt auf sogenannten Autosomen – also Körperchromosomen – lokalisiert ist. Das bedeutet: Die Anlage wird unabhängig vom Geschlecht vererbt, und auch Väter können diese Information an ihre Töchter weitergeben. Entscheidend ist jedoch: Bei männlichen Nachfahren bricht das Lipödem weitestgehend nicht aus – bei den Töchtern hingegen führt der Defekt früher oder später zur Fettverteilungsstörung.

Die Rolle der Hormone

Einen wesentlichen Erklärungsansatz liefert die Hormonforschung. Dr. Lipps Zellstudien zeigen, dass im Lipödemgewebe das Enzym Aromatase in deutlich niedrigerer Konzentration vorliegt als in gesundem Fettgewebe. Die Aromatase ist verantwortlich für die Umwandlung von Testosteron in Östrogen im Fettgewebe. Bei einem Mangel dieses Enzyms entsteht ein hormonelles Ungleichgewicht – mit einem Überschuss männlicher Hormone.

Das erklärt, warum das Lipödem typischerweise in Phasen hormoneller Umstellung ausbricht: in der Pubertät, während oder nach einer Schwangerschaft, kurz vor den Wechseljahren. Bei Männern fehlt diese östrogendominierte Hormondynamik. Ihr Hormonprofil schützt sie – zumindest in der überwältigenden Mehrheit der Fälle – vor dem Ausbruch der Erkrankung.

Was passiert, wenn ein Mann tatsächlich ein Lipödem hat?

Symptome eines Lipödems beim Mann

In den sehr seltenen Fällen, in denen Männer ein Lipödem entwickeln, gelten grundsätzlich dieselben Symptome wie bei Frauen. Typisch für das Krankheitsbild sind:

  • Symmetrische Fettvermehrung im Unterhautfettgewebe, vor allem an Oberschenkeln, Unterschenkeln, Oberarmen und Unterarmen
  • Druck- und Berührungsschmerzen in den betroffenen Körperbereichen
  • Schweregefühl in Armen und Beinen, das sich im Tagesverlauf verstärkt
  • Hämatomneigung – blaue Flecken entstehen bereits bei leichter Belastung
  • Disproportion zwischen Körperstamm und Extremitäten
  • Keine Verbesserung durch Sport, Bewegung oder Diäten

Diese Symptome treten unabhängig vom Körpergewicht auf und sind kein Zeichen von mangelnder Disziplin oder falscher Ernährung – das ist für Betroffene und ihr Umfeld ein entscheidender Punkt.

Allerdings: In Dr. Lipps klinischer Erfahrung trat das Lipödem bei männlichen Patienten stets in Verbindung mit einer Adipositas auf. Vor einer etwaigen Liposuktion muss daher zunächst die Behandlung der Begleiterkrankung im Adipositas-Zentrum erfolgen.

Diagnostik und der Weg zum richtigen Facharzt

Da das Lipödem bei Männern extrem selten ist, ist eine sorgfältige Diagnostik besonders wichtig. Die Diagnose wird klinisch gestellt – und setzt voraus, dass der behandelnde Arzt oder die Ärztin ausreichend Erfahrung mit diesem Krankheitsbild hat. Dr. Lipp empfiehlt ein Ausschlussverfahren: Zunächst müssen ein Lymphödem, eine Adipositas und andere Erkrankungen des Fettgewebes durch spezialisierte Fachärzte – etwa einen Phlebologen oder Internisten – ausgeschlossen werden. Erst danach ist die Untersuchung in einem Lipödem-Zentrum sinnvoll.

Behandlung eines Lipödems beim Mann

Sollte die Diagnose gesichert sein, gelten dieselben Therapieansätze wie bei Frauen. Nach Leitlinie umfasst die konservative Behandlung:

  • Manuelle Lymphdrainage zur Entstauung und Schmerzlinderung
  • Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe gegen Schwellungen
  • Sport und Bewegung nach individuellem Plan zur Unterstützung des Lymphsystems
  • Ernährung mit möglichst kohlenhydratarmer, entzündungsarmer Kost

Diese Maßnahmen können das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und die Lebensqualität verbessern – heilen lässt sich das Lipödem dadurch jedoch nicht. Die Krankenkassen übernehmen physiotherapeutische Maßnahmen bei gesicherter Diagnose. Die einzige Methode, die das Krankheitsbild nach aktuellem Leitlinienstand nachhaltig verbessert, ist die Liposuktion (Fettabsaugung). Bei begleitender Adipositas muss diese jedoch immer erst behandelt werden.

Können Männer das Lipödem an ihre Kinder vererben?

Ja – auch wenn sie selbst nicht erkrankt sind. Das ist ein medizinisch bedeutsamer Punkt, der häufig übersehen wird. Da der Gendefekt autosomal vererbt wird – also nicht geschlechtsspezifisch –, können auch Väter die genetische Anlage tragen und an ihre Töchter weitergeben, ohne selbst Symptome zu entwickeln.

Die Mendelsche Spaltungsregel macht deutlich: Mit einem gesunden Partner liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Tochter die Anlage erbt, bei 50 % in der ersten Tochtergeneration. Das bedeutet: Ein Vater mit Lipödem-Disposition, der selbst nie erkrankt, kann dennoch Ursprung eines familiären Lipödem-Musters sein.

Häufige Fragen zu Lipödem und Männern

Wie erkenne ich als Mann, ob ich ein Lipödem habe?

Da das Lipödem bei Männern extrem selten ist, sollte zunächst ein erfahrener Spezialist andere Erkrankungen ausschließen – insbesondere Adipositas, Lymphödem und Lipohypertrophie. Die Diagnose wird klinisch gestellt und erfordert einen Arzt mit fundierter Lipödem-Erfahrung.

Kann ein Mann mit Lipödem operiert werden?

Grundsätzlich ist die Liposuktion auch bei Männern das therapeutische Mittel der Wahl. Besteht jedoch eine begleitende Adipositas, muss diese zuerst behandelt werden, bevor eine operative Versorgung des Lipödems in Betracht gezogen werden kann.

Warum ist das Lipödem bei Männern so viel seltener?

Der Chromosomendefekt bricht bei männlichen Nachfahren weitestgehend nicht aus. Die Forschung deutet auf das hormonelle Milieu als entscheidenden Faktor hin: Die östrogenbeeinflusste Fettstoffwechseldynamik, die bei Frauen zu unkontrolliertem Fettzellwachstum führt, fehlt beim männlichen Hormonprofil in dieser Form.

Kann ein Vater seinem Kind das Lipödem vererben?

Ja. Der Gendefekt liegt auf Autosomen und wird unabhängig vom Geschlecht weitergegeben. Auch ein Vater, der selbst nicht erkrankt ist, kann Träger der Anlage sein und diese an seine Töchter weitergeben.

Fazit: Männer und Lipödem – selten, aber möglich

Das Lipödem ist eine fast ausnahmslos weibliche Erkrankung. Lediglich etwa 5 % der Betroffenen sind Männer – in Dr. Lipps gesamter Praxisgeschichte begegneten ihr nur zwei männliche Patienten mit gesicherter Diagnose. Die Ursache liegt in der Genetik: Obwohl der Defekt geschlechtsunabhängig vererbt wird, bricht er bei Männern kaum aus. Das hormonelle Profil des männlichen Körpers scheint dabei eine schützende Rolle zu spielen.

Dennoch gilt: Ein Mann mit symmetrischen, schmerzhaften Fettablagerungen an Armen und Beinen, die sich trotz Sport und Ernährungsumstellung nicht verändern, sollte ärztlichen Rat suchen – auch wenn ein Lipödem statistisch unwahrscheinlich ist.

Als Lipödem-Spezialistin und selbst Betroffene weiß Dr. med. Anna-Theresa Lipp, wie individuell diese Erkrankung ist. Die Inhalte dieses Artikels ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung – bei konkreten Beschwerden empfiehlt Dr. Lipp stets das direkte Gespräch.

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