Termin Online Buchen

Ein Lipödem bleibt selten allein. Die Fettverteilungsstörung wirkt auf Körper, Psyche und Seele und kann weitere Erkrankungen anschieben – von der Schilddrüse über das Lymphsystem bis hin zu seelischen Belastungen. Wer die häufigsten Begleiterkrankungen kennt, erkennt Warnzeichen früher und kann gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten gegensteuern.

Im Überblick: Ein Lipödem ist niemals losgelöst von Organen und Systemen zu betrachten. Es kann eine Reihe von Begleiterkrankungen nach sich ziehen – am häufigsten eine entzündliche Schilddrüsenunterfunktion (Hashimoto), gefolgt von Allergien, Erschöpfungszuständen mit depressiven Verstimmungen sowie Schlafstörungen. Viele dieser Beschwerden bessern sich, wenn das entzündliche Fettgewebe durch eine Liposuktion entfernt wird.

Warum ein Lipödem den ganzen Körper betrifft

Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die weit über die sichtbaren Veränderungen an Beinen und Armen hinaus Spuren setzt. Diese Spuren können sich zu weiteren Störungen verbinden und so Körper und Psyche zusätzlich belasten.

Der Hintergrund ist medizinisch erklärbar: Im Lipödem-Gewebe herrscht ein Übermaß an entzündlichen Stoffen. Das Fettgewebe ist hormonell aktiv und steht in Wechselwirkung mit dem Stoffwechsel, dem Immunsystem und dem Hormonhaushalt. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, können daraus Begleiterkrankungen entstehen.

Wichtig ist dabei die richtige Haltung: Das Wissen um mögliche Begleiterkrankungen soll nicht ängstigen, sondern sensibilisieren. Eine erkannte Gefahr verliert ihre Wucht – wer sein Lipödem samt Umfeld neutral beobachtet, kann negativen Veränderungen frühzeitig entgegenwirken.

Die häufigsten Begleiterkrankungen des Lipödems im Überblick

Welche Begleiterkrankungen wie häufig auftreten, zeigt eine große Umfrage unter 1.250 Lipödem-Patientinnen, die 2017 begonnen und im Fachjournal Plastic and Reconstructive Surgery veröffentlicht wurde. Die folgende Tabelle fasst die ermittelten Häufigkeiten zusammen.

Begleiterkrankung Anteil der Befragten
Hashimoto-Syndrom (entzündliche Schilddrüsenunterfunktion) 35,9 %
Allergien 34,4 %
Erschöpfungszustände und depressive Verstimmungen 23,0 %
Schlafstörungen 21,5 %
Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) 13,4 %
Asthma 12,9 %
Darmerkrankungen 12,9 %
Dyslipidämie (hoher Cholesterinspiegel) 7,2 %
PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom) 5,7 %
Rheuma 3,3 %
Diabetes mellitus Typ 1 1,4 %
Diabetes mellitus Typ 2 1,0 %

Quelle: Umfrage unter 1.250 Lipödem-Patientinnen (Bauer et al., 2019a), zitiert in „Lipödem-Life-Balance“ von Dr. med. Anna-Theresa Lipp.

Zwischen der Fettverteilungsstörung und diesen Begleiterkrankungen besteht ein direkter Zusammenhang. Gleichzeitig gilt: Nicht jede Frau mit Lipödem entwickelt eine Begleiterkrankung, und viele dieser Erkrankungen heilen, wenn das kranke, entzündliche Fett durch eine Liposuktion entfernt wird.

Lipödem und Schilddrüse: das Hashimoto-Syndrom

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) zählt zu den häufigsten Begleiterkrankungen des Lipödems. Die häufigste Form ist das Hashimoto-Syndrom – eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Schilddrüse. Lipödem-Patientinnen weisen dieser Störung gegenüber eine hohe Anfälligkeit auf.

Woran sich eine Schilddrüsenunterfunktion zeigt

Eine Schilddrüsenunterfunktion geht mit mehreren Beschwerden einher, die sich teilweise mit den Symptomen des Lipödems überschneiden. Typisch sind:

  • Ödembildung – zusätzliche Wassereinlagerungen, die das ohnehin belastete Gewebe weiter beanspruchen.
  • Verminderter Pulsschlag – das Herz schlägt langsamer, der Kreislauf läuft auf Sparflamme.
  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit – das Energieniveau sinkt spürbar ab.
  • Gewichtszunahme – der verlangsamte Stoffwechsel erschwert das Halten oder Reduzieren des Gewichts.

Was bei Hashimoto und Lipödem hilft

Entscheidend ist, die Schilddrüse gemeinsam mit einem Hormonarzt (Endokrinologen) optimal einzustellen. Darüber hinaus ist die Konsultation eines Gastroenterologen sinnvoll, denn die Darmflora hat Einfluss auf den gesamten Organismus und seine hormonellen Systeme. Gesunde Darmbakterien spielen hierbei eine relevante Rolle. Mehr zum Zusammenhang von Lipödem und Hormonen erfahren Sie auf unserer weiterführenden Seite.

Lipödem und Lymphödem: zwei Erkrankungen, ein häufiges Missverständnis

Lipödem und Lymphödem werden oft verwechselt, sind aber zwei verschiedene Erkrankungen. Beim reinen Lipödem gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine primäre Lymphinsuffizienz – also keine angeborene Schwäche des Lymphsystems.

Wichtig: Beim reinen Lipödem ist eine manuelle Lymphdrainage als alleinige Behandlung unzureichend, da bisher kein wissenschaftlicher Nachweis für eine primäre Lymphinsuffizienz vorliegt.

Warum beim Lipödem trotzdem Flüssigkeit ins Gewebe gelangt

Beim Lipödem wird eine Mikroangiopathie postuliert – eine Störung der kleinsten Blutgefäße mit erhöhter Fragilität (Brüchigkeit) und Permeabilität (Durchlässigkeit) der Blutkapillaren. Diese beiden Eigenschaften erklären zwei typische Phänomene:

  • Leicht entstehende Blutergüsse: Die erhöhte Brüchigkeit der Kapillaren führt dazu, dass schon kleine Anlässe blaue Flecken hervorrufen.
  • Flüssigkeit im Gewebe: Die durchlässigen Kapillaren geben proteinreiche Flüssigkeit in das umliegende Gewebe (Interstitium) ab.

Ein intaktes Lymphsystem transportiert diese überschüssige Flüssigkeit zunächst ab und reagiert auf die Verschiebung mit einem erhöhten Lymphfluss. Interessant für die Diagnostik: Die erhöhte Kapillarfragilität ist nur beim Lipödem nachweisbar und kann daher helfen, ein Lipödem von einer Adipositas zu unterscheiden.

Wenn ein sekundäres Lymphödem hinzukommt

In fortgeschrittenen Stadien kann sich das Bild verändern. Bei Lipödem-Patientinnen findet sich dann häufig ein sekundäres Lymphödem. Für das Zusammentreffen von Lipödem mit venösen oder lymphatischen Erkrankungen haben sich eigene Begriffe etabliert: Venolipödem (Lipödem mit venöser Beteiligung) und Lympholipödem (Lipödem mit lymphatischer Beteiligung).

Der Hintergrund: In fortgeschrittenen Stadien beschleunigt sich das Wachstum der Fettzellen, wodurch sich die Architektur der feinen Lymphgefäße verändert und die venöse sowie lymphatische Stauung zunimmt. Die daraus resultierenden Ödeme erhöhen den Druck im Gewebe und können so Schmerzen verstärken.

Ob die lymphatischen Veränderungen primär vorhanden oder erst sekundär durch das Lipödem entstanden sind, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Nach derzeitigem Erkenntnisstand spielt die Ödembildung – wenn überhaupt – nur eine geringe Rolle bei der Entstehung des Lipödems.

Lipödem und Psyche: von der Erschöpfung bis zur depressiven Verstimmung

Die seelische Belastung gehört zu den am häufigsten unterschätzten Folgen des Lipödems. In der genannten Umfrage berichteten 23,0 % der Patientinnen von Erschöpfungszuständen und depressiven Verstimmungen. Zwei Aspekte sind hier zu unterscheiden: das körperlich-seelische Erschöpfungssyndrom und die Gefahr, dauerhaft in Traurigkeit festzustecken.

Das Fatigue-Syndrom: mehr als nur müde

Das Fatigue-Syndrom – der chronische Erschöpfungszustand – ist mehr als eine depressive Verstimmung und mehr als eine nervliche Schwäche. Es zählt bei Lipödem-Patientinnen zu den häufigsten Begleiterscheinungen. Alltägliche Routinen wie Einkaufen oder Aufräumen werden zum Kraftakt; hinzu kommen Schlaflosigkeit, die zu Gedächtnisstörungen und Sprachfindungsschwierigkeiten führen kann, sowie phasenweise grippeähnliche Zustände.

Die ermutigende Nachricht: Verschwindet das Lipödem durch die Behandlung, verschwindet meist auch die chronische Erschöpfung. Bis dahin können eine ausgewogene Ernährung, der Abbau von Stress, das Reduzieren von Aufgaben und bewusst positive Gedanken den Zustand abmildern.

Die Grübelspirale und die Gefahr einer Depression

Viele Lipödem-Patientinnen befassen sich permanent mit ihrer Krankheit – morgens der erste Gedanke, abends die Sorgen, die sich spiralförmig nach oben drehen. Dieses ständige Gedankenkreisen erzeugt Stress und schädigt die Seele. Wird es zum Dauerzustand, besteht die Gefahr, in der Traurigkeit festzustecken oder sogar in einer Depression zu landen. Ein wichtiger Gegenpol ist es, das Lipödem seelisch anzunehmen und ihm im Alltag nicht den allumfassenden Stellenwert zu geben.

Gut zu wissen: Eine Depression ist eine eigenständige Erkrankung und gehört immer in die Hände eines Psychiaters oder einer Psychiaterin. Sie ist klar zu unterscheiden von den normalen Hochs und Tiefs, die jeder Mensch auf seinem Lebensweg erlebt.

Warum seelischer Stress auch dem Körper schadet

Seelisches Leid ist zugleich Stress für den Körper – und dieser Stress wirkt messbar. Bei anhaltend negativen Gedanken schüttet der Körper vermehrt das Hormon Cortisol aus, als befände er sich ständig in Gefahr. Die Folgen sind ungünstig gerade für Menschen mit Lipödem:

  • Bildung von viszeralem Bauchfett: Die bereitgestellte Energie wird nicht abgebaut, das Ergebnis ist viszerales Fett, das entzündliche Fettsäuren freisetzt.
  • Gedrückte Stimmung: Ein hoher Cortisolspiegel senkt den stimmungsausgleichenden Botenstoff Serotonin – schlechte Laune und Unzufriedenheit sind die Folge.

Daraus ergibt sich ein wichtiger Ansatzpunkt: Wer aktiv für seine Seelenhygiene sorgt – durch Bewegung, Zeit in der Natur, soziale Kontakte und bewusste Pausen – schützt nicht nur die Psyche, sondern unterstützt auch den Körper.

Weitere Begleiterkrankungen des Lipödems

Neben Schilddrüse, Lymphsystem und Psyche können weitere Erkrankungen mit dem Lipödem einhergehen.

PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom): Das PCO-Syndrom geht meist mit Akne, starker Körperbehaarung und einer Insulinresistenz einher und kann unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen. Ein Zusammenhang mit dem Lipödem zeigt sich über das Hormonenzym Aromatase, das im Fettgewebe sitzt: Ist zu wenig davon vorhanden, bleiben zu viele männliche Hormone übrig, die Zyklusstörungen und übermäßige Behaarung auslösen können.

Adipositas: Eine Adipositas kann als Begleiterkrankung hinzukommen, wenn Fett-, Zuckerstoffwechsel und Schilddrüsenfunktion gemeinsam gestört sind. Dann kann ein Teufelskreis entstehen, in dem sich die Störungen gegenseitig verstärken. Ein gezielter Plan für Bewegung und eine blutzuckerfreundliche Ernährung wirkt dem entgegen.

Rheuma: Die Autoimmunkrankheit Rheuma befeuert das Lipödem zusätzlich, da der Körper ohnehin ein Übermaß an entzündlichen Stoffen aufweist. Bei der medikamentösen Behandlung ist im Kontext des Lipödems besondere Vorsicht geboten – die individuelle Therapie gehört in fachärztliche Hände.

Schlafstörungen: 21,5 % der Befragten litten an Schlafstörungen. In rund 90 % der Fälle nennen Betroffene als Grund Grübelspiralen, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste. Eine gute Schlafhygiene und Entspannungstechniken können helfen, abends zur Ruhe zu finden.

Begleiterkrankungen erkennen und gemeinsam behandeln

Die wichtigste Botschaft lautet: Begleiterkrankungen sind kein unausweichliches Schicksal. Nicht jede Frau mit Lipödem entwickelt eine, und viele bessern sich, wenn das entzündliche Fett durch eine Liposuktion entfernt wird. Entscheidend ist, Beschwerden ernst zu nehmen, sie ärztlich abklären zu lassen und – je nach Erkrankung – Spezialistinnen und Spezialisten wie Endokrinologen, Gastroenterologen oder Psychotherapeuten einzubinden.

Sie wünschen sich eine ärztliche Einschätzung, die Ihre Geschichte ernst nimmt? In einem persönlichen Beratungsgespräch zur Lipödem-Behandlung in München schauen wir gemeinsam auf Ihre individuelle Situation: einfühlsam, fachlich fundiert und ohne Druck.

Vereinbaren Sie jetzt Ihren Termin.

Häufige Fragen zu Begleiterkrankungen beim Lipödem

Welche Begleiterkrankung tritt beim Lipödem am häufigsten auf? 

Am häufigsten ist das Hashimoto-Syndrom, eine entzündliche Schilddrüsenunterfunktion. In einer Umfrage unter 1.250 Lipödem-Patientinnen waren 35,9 % betroffen. Es folgen Allergien (34,4 %), Erschöpfungszustände mit depressiven Verstimmungen (23,0 %) und Schlafstörungen (21,5 %).

Ist ein Lipödem dasselbe wie ein Lymphödem? 

Nein. Lipödem und Lymphödem sind zwei verschiedene Erkrankungen. Beim reinen Lipödem gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine primäre Schwäche des Lymphsystems. In fortgeschrittenen Stadien kann allerdings ein sekundäres Lymphödem hinzukommen, das dann als Lympholipödem bezeichnet wird.

Warum bekomme ich beim Lipödem so leicht blaue Flecken? 

Beim Lipödem wird eine erhöhte Brüchigkeit der kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) angenommen. Diese erhöhte Kapillarfragilität ist die Ursache für die leicht entstehenden Blutergüsse. Sie lässt sich nur beim Lipödem nachweisen und hilft dabei, das Lipödem von einer Adipositas zu unterscheiden.

Kann ein Lipödem zu Depressionen führen? 

Das ständige gedankliche Kreisen um die Krankheit erzeugt Stress und kann dazu führen, in Traurigkeit festzustecken oder eine Depression zu entwickeln. In einer Umfrage berichteten 23,0 % der Patientinnen von Erschöpfungszuständen und depressiven Verstimmungen. Eine Depression ist eine eigenständige Erkrankung und gehört immer in psychiatrische Behandlung.

Wirkt sich seelischer Stress körperlich auf das Lipödem aus? 

Ja. Anhaltender Stress führt zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Cortisol. Das begünstigt die Bildung von viszeralem Bauchfett, das entzündliche Fettsäuren freisetzt, und senkt zugleich den stimmungsausgleichenden Botenstoff Serotonin. Seelisches Leid ist damit auch Stress für den Körper.

Verschwinden die Begleiterkrankungen nach einer Liposuktion? N

icht jede Frau mit Lipödem entwickelt überhaupt eine Begleiterkrankung. Viele dieser Erkrankungen können sich jedoch bessern oder heilen, wenn das kranke, entzündliche Fett durch eine Liposuktion entfernt wird. Auch das Fatigue-Syndrom bildet sich häufig zurück, sobald das Lipödem behandelt ist.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.


Kontakt aufnehmen +49 (0) 89 – 38 38 08 66 info@pantea-health.de
icon-termin icon-phone icon-mail
@